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THE LOVELACE

A hotel happening

Anfang September 2017 hat das Projekt „The Lovelace“ in München mit einem Grand Opening offiziell seine Türen geöffnet und somit eine einmalige Geschichte geschaffen: ein großer ungenutzter Raum mitten in München wird zum experimentellen Pop-Up-Hotel. In den ehemaligen, zum Teil denkmalgeschützten Räumlichkeiten der Königlichen Filialbank konnte das Lovelace als temporäres Hotel bis 2019 besucht und erlebt werden.

Neben 30 Zimmern und Suiten bot das Lovelace mit einem kulturell vielfältigen Programm auch Raum für Events und interkulturellen Austausch zu gesellschaftlich relevanten Themen. 4.800 qm auf denen spannende Menschen und spannende Ideen aufeinandertrafen. Ein Ort, an dem Pop und Politik, Kunst und Kommerz, Gesellschaft und Individuum zusammenkamen. So lud das Lovelace nicht nur zum Übernachten ein, sondern verstand sich als eine Kulturinstitution - „a hotel happening“.

Neben Showrooms, Veranstaltungsraum, Rooftop-Bar, Pop-up-Shops und einer bewirteten flying lobby war der Hotelbereich Teil des Gesamtkonzepts. Ganz im Sinne der Pop-up-Kultur stand das Lovelace für Authentizität und Kollaboration. Seit dem 6. Januar 2019 sind die Türen des ersten Pop-Up-Hotels der Welt nun geschlossen.

Come in

PLAY ON

„SO IST DAS IM LEBEN - ZUERST IST’S SCHEE, UND DANN IS AUF EINMAL ALLES VORBEI!“

Helmut Dietl

CURTAIN UP

Die ehemaligen Vorstandsbüros wurden in 30 geräumige und komfortable Hotelzimmer und Suiten sechs unterschiedlicher Zimmerkategorien umgewandelt. Ganz im Sinne des Pop-up-Gedankens war der konzeptionelle Designansatz, den ursprünglichen, hochwertigen, aber sehr rationalen Charakter der Büros zu erhalten und gleichzeitig den Zimmern eine adäquate Aufenthaltsqualität und eigenständige Identität zu geben.

Dem Thema „Happening“ folgend fungierte das Zimmer als Bühne, in welchem Kunst, Stadtausblicke, Musik, Literatur und der Gast selbst Teil einer Inszenierung wurden. Das „softshell“ wurde dabei zum zentralen Element – ein 360 ° umlaufender Vorhang lud den Gast ein, unterschiedlichste Inhalte zu entdecken und zu erleben. Somit verlieh dieser den Räumlichkeiten nicht nur eine besondere Atmosphäre, sondern wurde zur gestalterischen sowie thematischen Klammer und der Gast Teil der Inszenierung.

YEAH-YEAH

Der Art Directors Club Deutschland zeichnete die Arbeit der RBSGROUP 2018 in der Kategorie Raumdesign und der Kategorie Markenraum aus. 2019 folgte mit dem iF DESIGN AWARD in der Kategorie Hotels/Spas/Restaurants/Bars eine weitere und internationale Auszeichnung für die RBSGROUP, die im selben Jahr von den Iconic Awards des Rat für Formgebung als „Best of Best“ in der Kategorie „Innovative Architecture“ gekrönt wurde. 

LOVELACE MAGAZINE 2019
INTERVIEW MIT JENNI BRUNN UND ALEXANDER STRUB

Wie war Eure Reaktion, als ihr das erste Mal von dem Projekt gehört habt?

Alexander Strub (AS): Eine Mischung aus Schockstarre und Euphorie.

Wie meinst du das?

AS: Naja... die Vorstellung, in einer ehemaligen Bank Hotelzimmer bei einer gesamthaften Nutzungsdauer von lediglich 24 Monaten zu konzipieren, zu planen und zu realisieren erscheint einem doch eher unrealistisch. Gleichzeitig findet man eine unfassbar schöne, superspannende Aufgabenstellung vor. Also muss man abwägen: Man weiß, es gibt ein großes Aua (Budget und Timing), möglicherweise aber auch große Freude.
Jenny Brunn (JB): Zudem handelte es sich um ein Heimspiel, da will man schon gerne mitspielen.

Wie geht man so ein Projekt an, was ist anders?

AS: Die Kernfragen waren, welche Freiheiten wir haben durch die Tatsache, dass es sich um ein temporäres Projekt handelt, welche Haltung haben die Betreiber und was können wir einbringen?
JB: Man muss anders priorisieren als sonst, sich extrem aufs Wesentliche konzentrieren, die Idee rückt noch mehr ins Zentrum. Wir haben uns selbst eine Deadline von zwei Tagen gegeben, um eine starke Idee zu entwickeln.
AS: Nur schicke Zimmer zu designen hätte uns nicht interessiert. Wir waren schon auf der Suche nach einer Idee, die mehr kann, und uns war bewusst, dass Intuition und Zufall eine größere Rolle als üblich spielen werden.

Welche Idee war das?

AS: Die Idee das Hotel als offenen Ort zu betrachten, in welchem relevante Themen und echte Inhalte in wechselndem Turnus zu Hause sind, hat uns gut gefallen. Wir wollten die Zimmer in diesem Sinne inszenieren. Den Gast in den Mittelpunkt stellen, zum Betrachter, aber auch zum Handelnden machen. Das Zimmer als 360° Bühne. Das Bühnenbild eine Melange aus historischem Bestand, ehemaligen Vorstandszimmern, Ausblicken in die Stadt, Kunst, Literatur und dem „soft shell“.

Um was handelt es sich bei dem „soft shell“?

JB: Das „soft shell“ ist unsere große Geste in den Zimmern, ein 360° umlaufender textiler Layer. Die Büros waren ja hochwertig ausgestattet, allerdings auch durch eine sehr nüchterne Erscheinung geprägt. Das war eine tolle Chance, die ehemaligen Büros zu erhalten und zum integralen Bestandteil der neuen Zimmer zu machen. Damit das funktioniert, war es notwendig, die haptische Qualität des Zimmers zu stärken und mehr Wohnlichkeit zu generieren. Die akustische Auswirkung ist grandios. Das „soft shell“ war sowohl unsere funktionale, atmosphärische als auch inszenatorische Antwort.

Erklärt das bitte nochmal etwas genauer.

AS: Die Büros hatten schon nahezu umlaufend Einbauschränke und Regale, diese konnten wir als Kleiderschränke, Stauraum und Bücherregale nutzen. Das „soft shell“ wurde so konfektioniert, dass die Öffnungen mit der dahinterliegenden Infrastruktur übereinstimmten, gleichzeitig haben wir damit die Kunst und die Ausblicke gefasst und dadurch einen komplett neuen Raum entstehen lassen.

Ihr hattet vorher von Intuition und Zufall gesprochen, wie hat das eure Arbeit beeinflusst?

JB: Dass ein Künstler wie Florian Süßmayr, den wir sehr schätzen, für jedes Zimmer eine Arbeit gemacht hat, ist Zufall und Geschenk zugleich. Das hat uns sehr inspiriert.
AS: Das die Ausblicke in die Stadt so zünden, und wie eigene Bilder neben Florians Arbeiten stehen, haben wir zwar gehofft, aber Gewissheit hat man erst, wenn alles zusammenkommt. Oder die enorme Raumhöhe, die dem „soft shell“ eine so stimmige Proportion verleiht: Das war nicht geplant, das entsteht.

Die Tage des Lovelace sind gezählt, macht Euch das traurig?

JB: Helmut Dietl würde sagen: „So ist das im Leben: zuerst ist’s schee, und dann is auf einmal alles vorbei!“
AS: Das Ende war von Anfang an Teil der Geschichte.

Facts

Kunde

The Lovelace GmbH

Leistungen

Kreativkonzept, Interiordesign Entwurf und Künstlerische Oberleitung (KOL) Realisierung

Eckdaten

München, 2017, Hospitality, 30 Zimmer

Credits

Künstler
Florian Süssmayr

Fotos
Steve Herud, Peter Neusser

Film
SevenCity

Dank
Søren Grandt fürs Sofort-dabei-sein, Matthias Hüttebräuker fürs Verstehen und gemeinsame Kämpfen um das Konzept